Vielleicht geht es dir ähnlich: Der Abschied im Kindergarten nimmt dich emotional so sehr mit, dass du immer wieder weinen musst. Oder der Kindergartenabschied letztes Jahr hat dich komplett aus der Bahn geworfen und jetzt kommt der nächste Übergang. Du möchtest resilienter sein, stärker neben deinem Kind stehen können.
Genau darum geht es heute. Kein „Reiß dich zusammen“, sondern ein ehrlicher Blick darauf, was Abschiede mit dir machen. Und wie du liebevoll mit dir umgehen kannst.
Warum dich der Abschied deines Kindes so sehr berührt
Wenn dich etwas emotional berührt, hat es meistens etwas mit dir und deiner Kindheit zu tun. Das sind Emotionen aus unserer Vergangenheit, die durch etwas im Hier und Jetzt hervorgeholt werden.
Es gibt einen kindlichen Anteil in dir, der mitfühlt. Dieses Gefühl wird gezeigt, wenn dein Kind sich im Kindergarten verabschiedet.
Der Unterschied zwischen damals und heute
Das sind Phasen, die wir selber auch erlebt haben und die oft gar nicht von unseren Eltern begleitet wurden. Da gab es noch keine großen Rituale. Das war einfach so. Und in dir als Kind hat es sehr viel bewirkt.
Heute merkst du: Da wird viel Zeremonie drumherum gemacht, was schön ist. Und gleichzeitig löst das noch mal einen Extraschmerz aus, weil du merkst, bei mir war das damals anders.
Die zwei Arten von Abschieden
Es gibt die Abschiede, die wir bewusst gestalten und planen. Nach dem Abi ins Ausland, der Umzug, die neue Arbeit.
Und dann gibt es die Abschiede, die wir nicht steuern können, weil sie mit der Zeit zusammenhängen. Ein Kindergartenkind kann nicht ewig im Kindergarten bleiben. Diese Fremdbestimmung macht es nicht einfacher.
Wenn Abschiede fremdbestimmt sind
Vielleicht möchte das Kind sehr gerne im Kindergarten bleiben, weil es sich noch nicht bereit fühlt oder weil es so schön gemütlich ist.
Für uns Eltern ist das auch ein Punkt: Es ist gerade alles so schön, warum müssen wir jetzt abschließen. Es ist auch für uns ein Abschied, dass das Kind wächst.
Dein eigener Abschied: Wenn eine Ära zu Ende geht
Wenn dein Kind durch eine neue Lebensphase geht, passiert auch bei dir etwas. Eine Ära geht zu Ende.
Das Kind ist nicht mehr das kleine Kind, sondern ein Schulkind. Oft steckt bei uns noch im Kopf: jetzt beginnt der Ernst des Lebens. Das macht viel mit uns, weil wir das vielleicht auch als Kind so erlebt haben.
Das Kind wird größer, hat einen Schulranzen, geht vielleicht alleine zur Schule. Die frühe Kindheit wird abgeschlossen, das Kind geht eigene Wege, wird selbstständiger. Wir wollen das einerseits und andererseits wollen wir unser kleines Kind noch im Arm sehen. Das kann weh tun.
Was deine eigene Geschichte damit zu tun hat
Vielleicht hattest du einen anderen Schulstart, als du es deinem Kind gerne geben würdest. Vielleicht hat dort liebevolle Begleitung gefehlt. Vielleicht gab es auch andere Abschiede, die dich daran erinnern.
Es könnte sein, dass du einen geliebten Menschen verloren hast. Dass sich deine Eltern getrennt haben. Manchmal gibt es Verbindungen in unserem Unterbewusstsein, die wir auf logischer Ebene nicht nachvollziehen können.
Fragen, die du dir stellen darfst
Was ist eigentlich mein Schmerz dabei? Ist es die Angst, dass es nie wieder so schön sein wird? Der Gedanke, jetzt geht der Ernst des Lebens los? Sorgen um Hausaufgaben, Lehrerin, Freunde?
Ist es meine Angst oder die Angst meines Kindes? Ganz oft projizieren wir unsere Erfahrung auf unsere Kinder, ohne es zu merken. Ist meine Angst berechtigt? Gewiss, weil sie mit deiner Vergangenheit zu tun hat. Aber hat es wirklich was mit deinem Kind zu tun?
Praktische Wege zu mehr innerer Stabilität
Die Timeline-Arbeit
Du gehst innerlich zurück zu deinen eigenen Abschieden. Wie war dein Kindergartenabschied? Dein Schulstart? Andere wichtige Übergänge? Was hast du gefühlt? Was hast du gebraucht und vielleicht nicht bekommen?
Nervensystem-Regulation
Dein Nervensystem speichert Erinnerungen an alte Abschiede, auch wenn du sie nicht mehr bewusst abrufen kannst. Deshalb ist es wichtig, nicht nur mit dem Kopf zu arbeiten, sondern auch mit dem Körper. EFT kann dir dabei helfen, diese alten Muster sanft aufzulösen.
Identifiziere die Gedanken hinter dem Schmerz
Spüre mal genau rein, was ist hinter diesem Schmerz. Vielleicht sind es die anderen Familien, die dich gehalten haben. Freundschaften, tolle Unternehmungen oder einfach der Rhythmus, wie ihr den Tag strukturiert habt. All diese Rituale können eine Rolle spielen.
Ein wichtiger Schritt: Sprich mit deinem Kind darüber
Dein Kind wird merken, dass es dich beschäftigt. Wenn es nicht fragt, wird es das fühlen und spiegeln, im schlimmsten Fall mit der Angst, die du spürst.
So könntest du es formulieren
Mama beschäftigt das ganz schön. Ich bin traurig, dass du jetzt in die Schule kommst. Einerseits freue ich mich, dass du so groß bist. Andererseits traue ich dem Kindergarten nach. Aber das hat nichts mit dir zu tun. Das ist meine Geschichte. Die Gefühle nehme ich wahr und fühle sie. Ich freue mich so für dich.
Ganz wichtig: Das Kind ist nicht schuld an unseren Gefühlen.
Das größte Geschenk: Fang bei dir an
Fang bei dir an. Das ist das größte Geschenk für dein Kind. Eine Mama, die ehrlich mit ihrem Schmerz umgeht, ihn nicht wegschiebt, sondern fühlt.
Wenn du merkst, da ist eine schwierige Situation in deiner Kindheitsgeschichte, habe keine Angst, dich dem zu stellen. Ich hatte schon viele Klientinnen mit schrecklichen Erinnerungen an Kindergarten oder Schulbeginn. Nach der Auflösung war deutlich mehr Resilienz da.
Stufen von Hermann Hesse: Ein Gedicht zum Nachdenken
Es gibt ein Gedicht, das mir zu diesem Thema eingefallen ist. Stufen von Hermann Hesse. Hier ein paar Zeilen:
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe bereit zum Abschied sein und neu beginnen.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben.
Wohl an den Herz, nimm Abschied und gesunde.
Abschiede dürfen wehtun
Abschiede sind wichtig, sie bringen uns weiter, sie stehen für Entwicklung. Abschiede dürfen auch wehtun. Und du bist damit nicht allein.
Etwas in dir schmerzt, dein kleines inneres Kind vielleicht, das jetzt gesehen werden möchte. Du bist aber jetzt die erwachsene Frau, die das heute sehen, halten und heilen kann.
Du möchtest tiefer einsteigen?
Wenn du merkst, dass alte Abschiede in dir noch ungeheilt sind und dich im Alltag triggern, kann eine traumasensible Begleitung der richtige Weg für dich sein. In meinem Einzelcoaching oder Nervensystem-Kurs arbeiten wir nicht nur mit dem Kopf, sondern mit deinem gesamten System, damit echte Veränderung möglich wird.













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