Aus der Praxis: Steht dein Kind auf seinem Platz im Familiensystem?

Juli 28, 2026 | Bedürfnisorientierte Erziehung, Podcast | 0 Kommentare

 

Hast du dich schon einmal gefragt, ob du am richtigen Platz im Familiensystem stehst? Sei es in dem System, in das du hineingeboren wurdest, oder das System, in dem du gerade lebst mit deinen Kindern und Partner.

Wenn ein Kind besonders auffällig ist, sei es im Verhalten, dass es aggressiv ist, die anderen Geschwister ärgert, sehr viel Aufmerksamkeit braucht und die Eltern sich fragen: Was ist denn da los? Ganz oft hat das mit dem richtigen Platz im System zu tun.

Wenn wir nicht an unserem Platz sind

Wenn wir nicht an unserem Platz sind, dann stehen wir nicht sicher. Du wirst merken: Wenn da etwas im System falsch läuft, jemand an seinem falschen Platz ist, dann stört es das ganze System.

Dein Platz im Ursprungssystem

Schau einmal auf deinen Platz in dein Ursprungssystem. Welchen Platz hast du eingenommen? Warst du das erste Kind, das zweite, das dritte?

Und ganz wichtig: Schau auch auf diejenigen Kinder, die ausgeschlossen wurden, weil sie nicht leben durften. Fehlgeburten, Abtreibungen, verlorene Zwillinge, auch Kinder, die weggegeben wurden. All das hat eine große Auswirkung auf unser Familiensystem.

Wenn vor dir eine Abtreibung war oder ein Kind tot geboren wurde, dann macht das etwas im System. Dann ist es wichtig, dass wir dorthin schauen. Denn all das sind Mitglieder des Familiensystems und die gehören betrachtet, gesehen und nicht ausgeschlossen.

Die Geschwisterordnung: Jedes Kind hat seinen Platz

Jedes Kind nimmt einen Platz ein. In einer bestimmten Rangfolge. Hierarchie bedeutet hier chronologisch: Wer wurde zuerst geboren. Die Großen kommen zuerst, die Kleinen danach.

An jeder Stelle im System entwickelt sich eine andere Persönlichkeit. Das erste Kind hat mehr Verantwortung. Das zweite Kind ist oft der kleine Clown mit Narrenfreiheit.

Das Sandwich-Kind: Besonders gefährdet

Wenn da drei Kinder sind, wird das zweite Kind von seinem Platz des Jüngsten vertrieben. Es gibt ein jüngeres Kind.

Das Sandwich-Kind nimmt einen Platz ein, der nicht so ganz einfach ist. Es war eine Zeit lang das jüngste Kind mit Narrenfreiheit. Danach wurde es zum großen Bruder oder zur großen Schwester. Es wird auf einmal zum Großen und gleichzeitig zum Kleinen.

Das löst gerade bei diesen mittleren Kindern ganz viel Unsicherheit aus, weil sie nicht so richtig wissen: Bin ich jetzt groß oder bin ich klein. Deswegen ist es wichtig, dass diese Kinder begleitet werden.

Deswegen heißt es so oft: Das Sandwich-Kind macht immer Probleme, ist oft verhaltensauffälliger. Genau aus diesem Grund, weil sie nicht wissen: Wo ist mein Platz, wer bin ich eigentlich?

Wenn der Partner zum dritten Kind wird

Ich merke ganz oft, dass der männliche Partner sich rauszieht, flieht in die Arbeit, ins Hobby, sich nicht einbringt oder tatsächlich zum dritten Kind wird. Und die Frau dann das Gefühl hat: Man muss sich hier alles alleine machen, er übernimmt keine Verantwortung mehr. Der benimmt sich nicht wie der Vater der Familie.

Das hängt ganz oft damit zusammen, dass die Frau nicht auf ihrem Platz ist, sondern sich auf den Platz des Mannes gestellt hat. Natürlich unbewusst.

Viele Frauen merken dann erst: Krass, ich stehe gar nicht auf meinem Platz. Ich bin auf dem Platz meines Partners. Und was kann der Partner dann nur machen? Er kann zum Kind werden oder er flieht. Im schlimmsten Fall trennt er sich, weil er keinen Platz mehr in dieser Familie sieht.

Praktische Tipps: So findet jeder seinen Platz

Die feste Sitzordnung am Tisch

Ich empfehle ganz oft, dass ihr eine Sitzordnung macht. Die Erfahrung zeigt, dass es ganz viel mit der Familie macht, wenn jeder einen festen Platz am Tisch hat.

So funktioniert es: Rechts sitzt der Mann, links die Frau und neben der Frau links das erste Kind, dann das zweite, das dritte. Ausnahme ist nur ein kleines Baby, das noch gefüttert werden muss.

Dann kommt oft die Rückfrage: Das gibt doch nur Chaos zwischen den Geschwistern. Deswegen setzen wir unseren Mittleren zwischen uns. Und dann sage ich: Nee, das ist nicht clever. Der Mittlere gehört nicht zwischen dich und deinen Mann. Der ist dein zweites Kind, also muss er an den Platz des zweiten Kindes.

Was am Anfang passiert

Am Anfang kann es sein, dass die Kinder sich kabbeln. Aber aus meiner Erfahrung verbünden sich die Geschwister irgendwann, weil sie auf einer Seite sind, nämlich die Kleinen. Und dann beruhigt sich das System. Das kann ein paar Wochen dauern.

Bei uns hat es eine Weile gedauert. Die waren in der Rebellion. Wir haben das spielerisch eingeführt: Das ist wie am Königshof, da ist der König, die Königin und die Prinzessin auf der anderen Seite.

Und mittlerweile wird es nicht mehr hinterfragt. Jeder liebt seinen Platz und weiß genau, wohin er gehört. Auch wenn eine Person fehlt, bleibt dieser Platz leer. Das betont, dass jeder seinen Platz im Familiensystem hat.

Weitere symbolische Möglichkeiten

Schlafenszeiten: Der Große darf ein bisschen später schlafen. Das gibt ihm symbolisch das Gefühl, länger aufbleiben zu dürfen, weil er der Ältere ist.

Reihenfolge beim Essen: Der Größte kriegt zuerst die Nudeln, danach der Zweite, danach der Dritte.

Im Auto: Der Große vorne, die Kleinen hinten.

Dass den Kindern immer wieder vor Augen geführt wird: Okay ich bin der Zweite, ich krieg als Zweites. Das gibt Sicherheit und Orientierung.

Warum das so wichtig ist

Das ist wichtig für die Kinder, diese Hierarchie durch die Altersrangfolge. Das gibt Sicherheit und Orientierung.

Und da sind wir beim Nervensystem. Denn unser Nervensystem braucht Sicherheit und Orientierung. Wenn wir nicht an unserem Platz sind, merkt unser Nervensystem das und fühlt sich wie auf einer wackelnden Eisscholle. Wackelig, unsicher.

Dann kannst du schauen: Wie fühle ich mich in der Familie? Bin ich auf dem Platz des Mannes, weil ich alles organisiere und plane? Übernehme ich das gesamte Familienmanagement?

Und dann überleg: Wie kannst du den Mann wieder ins Boot holen, dass er diese Rolle als Vater einnehmen kann.

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Im Einzelcoaching schauen wir gemeinsam, wo jeder in deiner Familie wirklich hingehört und wie du wieder auf deinen Platz kommst. Denn wenn jeder seinen Platz kennt, findet das ganze System zu mehr Ruhe und Sicherheit.

 

Mehr zum Thema Familiensystem bei Patchwork Familien findest du in diesem Artikel.

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